Beikost

Beikost – wann, wie, warum und was?

“Nun greift Michael (5 Monate) am Tisch immer wieder nach unserem Essen und ich bin einfach nicht sicher, ob ich ihm wirklich schon etwas geben soll? Reicht ihm meine Milch nicht mehr oder braucht er nun Beikost?”

Wie wunderbar, dachten wir uns, als uns diese Anfrage einer Klientin erreichte. Dieser Familie steht eine spannende neue Zeit mit ihrem Baby bevor. Und in der Beratung erörterten wir die grundlegenden Dinge rund um die Beikost.

Der Übergang von der Brust an den Tisch ist kein Meilensteine im Leben eines Kindes, er ist ein Weg. Und für die Eltern ist der Moment der Beikostreife aufregend – doch, wann ist er eigentlich da, der richtige Zeitpunkt? Kann es ein zu früh oder ein zu spät überhaupt geben? Ersetzt die Beikost die Brust?

Kaum etwas ist in Babys erstem Lebensjahr so umstritten wie die richtige Einführung der Beikost. Wann? Was? Warum? Wie? Und kann sich mein Kind am Fingerfood nicht verschlucken?

Wir danken Dir, dass Du hier bist und möchten Dir gerne in dieser wichtigen Frage helfen.

Warum überhaupt etwas anderes als Muttermilch?

Die Muttermilch ist die ideale Säuglingsernährung und Dein Kind kommt perfekt aufgetankt mit wertvollen Nährstoffen auf die Welt. Doch ungefähr um den 6. Lebensmonat herum leeren sich langsam die Eisenspeicher im kindlichen Körper. Eisen kann dann durch die Muttermilch nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden. Meistens kommen in der Zeit auch die ersten Zähne oder schießen zumindest in den Kiefer ein. Die Eisenspeicher sind nicht direkt leer und die Muttermilch versorgt Dein Kind natürlich auch weiterhin noch mit Eisen. Doch nun ist es Zeit, Lebensmittel anzubieten.

In der zweiten Hälfte des ersten Lebenshalbjahres werden Lebensmittel langsam spannend. Sobald die Beikostreifezeichen vorhanden sind, könnt Ihr loslegen! Und macht Euch keine Gedanken, wenn erstmal nur mikroskopische Mengen in Euer Kind wandern, die Umstellung auf festes Essen ist ein lange dauernder Prozess. Der amerikanische Leitsatz “Fun until One” ist hier sehr eingänglich – bis ungefähr zum ersten Geburtstag ist Essen Spass und Spiel. Eine Erfahrung, ein Ausprobieren, ein sensorisches Erforschen. Und der Kontakt sollte immer selbstbestimmt, also vom Kind aus, erfolgen. Dennoch seid Ihr hier Vorbild. Euer positives Verhältnis zum Essen sollte selbstverständlich sein.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Einführung der Beikost?

Auf einigen Gläschen und in zahlreichen Ratgebern finden sich widersprüchliche Empfehlungen. Von “ab dem 4. Monat” bis “mit Vollendung des 5. Lebensmonats” ist alles dabei. Wir können Dich beruhigen: Es gibt nicht DEN richtigen Zeitpunkt. Einzig Dein Baby zeigt Dir, wann es wirklich bereit ist.

Ganz wichtig zu wissen ist, Beikost ist wirklich BEI-Kost. Sie wird neben der Muttermilch angeboten. Im gesamten ersten Lebensjahr bleibt Milch die Hauptnahrung für Dein Kind, ab dem 6. Lebensmonat ergänzt durch Beikost. Die Beikost bietet Deinem Kind eine Spielwiese an Erfahrungen und Geschmäckern. Dein Kind verdaut dann anders, es macht eine grosse neue Erfahrung.

Achte bitte unbedingt auf das Vorliegen der Beikostreifezeichen, bevor du mit der Gabe von Beikost beginnst. Vor dem vollendeten 4. Lebensmonat ist das kindliche Verdauungssystem auf keinen Fall ausreichend ausgereift um Nahrungsmittel aufzunehmen. Das gilt auch für Flüssigkeiten. Ein voll gestilltes Kind benötigt lediglich Muttermilch.

Und wenn Dein Kind auch mit 6 Monaten keinerlei Interesse am Essen zeigt? Dann ist das auch erstmal nicht schlimm, solange Dein Baby ansonsten gut gedeiht. Bleibe jedoch dran. Du darfst jetzt beginnen, Mahlzeiten präsenter zu machen und die Einführung der Beikost als natürlichen Entwicklungsschritt im Leben Deines Babys zu betrachten. Bringst Du Lebensmittel aktiv in Reichweite, wird die natürliche Neugier des Kindes geweckt. Bezieht Ihr Euer Kind aktiv ein in Eure Mahlzeiten, erkennt es die Bedeutung. Stelle ein gesundes Angebot zur Verfügung, warte mitunter ein paar Tage und versuche es dann erneut. Sollte nach wie vor keinerlei Interesse bestehen ist es ratsam, dies mit Eurem Kinderarzt zu besprechen.

Es ist eine achtsame Geste, Dein Baby schon frühzeitig bei Euren Mahlzeiten einzubeziehen. Nimm es mit zu Dir an den Tisch, integriere es beim Kochen.  Du kannst ihm die Zutaten zeigen und einen Kochlöffel und einen Topf geben. Zeig ihm, dass das Essen etwas normales und schönes ist. Solltet Ihr bislang immer ohne Euer Kind gegessen haben, dürft ihr das nun ändern und die Mahlzeiten zeitlich etwas verlagern. Euer Baby wird sich freuen, daran teilnehmen zu können und Euch sicher voller Neugier zuschauen.

Gleichzeitig ist dies ein guter Test. Denn solange Dein Baby keine Reaktion zeigt, ist es zu früh um mit der Beikost zu starten. Verfolgt es aufmerksam Deine Hand, wenn sie die Gabel mit dem Essen zum Mund führt? Das ist schon ein erstes Anzeichen, dass die Beikostzeit nahe ist, jedoch noch nicht beginnt. Ziemlich sicher bereit seid ihr, wenn Euer Kind aktiv nach dem Essen greift und es selbst zum Mund führt.

Nun kannst Du dir absolut sicher sein: die Beikostzeit hat begonnen und es warten viele wunderbare Geschmacksabenteuer auf dein Baby. So wie bei dem kleinen Michael in unserer Beratung.

Lebensmittel die Tabu sind

Lebensgefährlich, gesundheitsgefährdend und ungesund – im ersten Lebensjahr sind einige Dinge tabu. Unter anderem solche, die Risiken bergen oder wegen ihrer allergieauslösenden Eigenschaften oder Auswirkungen auf die noch reifenden Organe kleiner Kinder gemieden werden sollten.

Honig ist tabu, denn er kann ein hochgefährliches Bakterium enthalten. Nüsse können ebenfalls gefährlich werden, zu leicht geraten die harten Kleinteile in die Luftröhre. Dazu sind sie potentiell allergieauslösend.
Kuhmilch und Produkte die Kuhmilch enthalten, also Joghurt, Käse und Schokolade sollten mindestens bis zum Ende des ersten Lebensjahres tabu sein. Die artfremde Milch ist viel zu eiweiss- und mineralstoffhaltig und kann die empfindlichen Nieren schädigen. Weiterhin gelten Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch als potentiell allergieauslösend.

Viele Mütter beginnen in ihrer Stillzeit über die ethische Vertretbarkeit von tierischer Muttermilch nachzudenken und möchten ihrem Kind keine Milch einer anderen Spezies geben. Eine vegane Kleinkindernährung ist übrigens ohne Probleme möglich. Ebenso wie omnivore Familien solltet Ihr natürlich auch auf eine ausgewogene Ernährung achten.

Gluten und Weizen gehören in den ersten 6, besser noch 12 Monaten nicht auf den Speiseplan. Der noch reifende Darm kann die darin enthaltenen Klebstoffe oft noch nicht richtig verarbeiten. Sollte Brot bei Euch auf den Familientisch gehören, könnt Ihr zu glutenfreien Alternativen, z.B. aus Amaranthmehl, greifen.

Zucker, Soja, Speisesalz, Süßstoff, Alkohol (auch verkocht oder verbacken) und koffeinhaltige Lebensmittel gehören ebenfalls nicht in Kinderhände, gleiches gilt für ätherische Öle, Kräuter und Gewürze.

Brei oder Fingerfood (Baby Led Weaning/BLW)?

Egal für welche Darreichungsform Ihr euch entscheidet, es ist sinnvoll mit der Beikost mittags zu beginnen. Bietet zunächst nur ein Lebensmittel an, statt gleich zu einer Vielfalt zu greifen. So kannst Du tagsüber beobachten, ob und wie Dein Kind reagiert.

Die Vorteile vom sogenannten “Baby Led Weaning”, also der babygesteuerten Beikosteinführung ohne Brei, liegen auf der Hand. Lebensmittel, die das beikostreife Kind selbstständig in den Mund führen und probieren kann, laden zum Erforschen und Kennenlernen ein. Das Essen am Familientisch ist mit Fingerfood wesentlich leichter möglich, denn niemand muss das Kind mit Brei füttern. Alle können gemeinsam essen. Auch ist es deutlich leichter das gleiche Essen für alle zuzubereiten, das Pürieren entfällt.

Kinder, die sich mit Fingerfood ernähren, haben eine sehr gute Hand-Auge Koordination. Außerdem erleben sie keine Fremdeinwirkung auf ihren Mund durch Löffel oder die Hände der Eltern.

Wir plädieren immer für “BLW”, da es ein wichtiger Schritt in Richtung Unabhängigkeit für Dein Kind ist, sich selbst seine Nahrung zu greifen und zu essen. Oft sind diese Kinder später auch sehr flexibel in der Auswahl ihrer Speisen.

Es ist ratsam, Euren Essplatz dann etwas anzupassen, z.B. Teppiche zu entfernen und den Boden regelmäßig zu reinigen. So können auch runtergefallene Lebensmittel mitunter erneut angeboten werden.

BLW ermöglicht den Kindern autonome Entscheidungen über die Auswahl und Menge ihres Essens. Vertraut Eurem Kind. Unsere Tochter hat von Anfang an Salat aussortiert. Bis heute wird er nicht angerührt. Anfangs warf sie ihn beherzt runter, heute lässt sie ihn stehen. Was dahinter steckt? Wir wissen es nicht – doch durch BLW durfte sie Salat kennenlernen, begreifen und für sich entscheiden, ob sie ihn essen möchte. Selbstbestimmung ist auch beim Essen das A und O.

Die Milch bleibt – Einführung der Beikost unter dem Schutz der Muttermilch

Mit der Einführung der Beikost beginnt das Abstillen, denn ab sofort wird Dein Baby teilgestillt. Damit ist jedoch keinesfalls angeraten, die Brust durch eine Flasche zu ersetzen. Bis wirklich der letzte Tropfen Milch getrunken wird, sollten noch Monate oder Jahre vergehen.

Im ersten Lebensjahr wird bitte unbedingt weiter gestillt. Die Muttermilch ist und bleibt die Hauptnahrungsquelle und trägt zur deutlich besseren Vertraulichkeit der neuen Lebensmittel bei.

Die optimale Versorgung erhält Dein Baby, wenn Ihr es nach und nach am Familientisch einbezieht und darüberhinaus weiterhin nach Bedarf stillt. Denn die Beikosteinführung ist kein Moment, sie ist ein langsamer Prozess! Nach und nach erwirbt Dein Kind neue Fähig- und Fertigkeiten, es lernt neue Geschmäcker kennen und verarbeiten.

Es ist durchaus möglich, dass Dein Kind mit dem Essen am Tisch nur spielt und sich später genüßlich an Deiner Brust satt trinkt. Und das ist ok! Ebenso gibt es Kinder, die nach den Mahlzeiten am Familientisch erstmal keine Lust auf Mamas Milch haben. Welchen Rhythmus Ihr findet, bleibt Euch überlassen. Wichtig ist nur, dass Ihr offen bleibt und neuen Lebensmitteln auch öfter und in veränderter Darreichungsform eine Chance gebt.

Solange es Euch allen damit gut geht und Ihr Spaß habt ist alles wunderbar. Wir wünschen Euch eine wunderbare Zeit.

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