Beikost

Fütterst Du noch oder isst es schon?

Das Füttern als Ereignis?

Kennst Du Jordan Watson? Der neuseeländische Papa gibt in der Serie How to Dad mit trockenstem Humor Elterntipps auf youTube. In dieser Ausgabe von widmet er sich dem Thema Beikost. Füttern, das Kind überrumpeln oder das Kind machen lassen. Die Trickkiste, wenn es darum geht, Essen ins Kind zu befördern, ist auch in Neuseeland unerschöpflich.

Ich erinnere mich gerne an die ersten Beikosterfahrungen an unserem Esstisch. An das Greifen, das Erschmecken, die Gesichter dazu… und die Tatsache, dass grüne Spinatsuppe in allen Ritzen und Rillen unseres roten TrippTrapps festkleben kann. Und ich erinnere mich an die gelebte Selbstbestimmung, die so wichtig ist.

Wir haben unser Kind nie gefüttert, sondern es immer seine Nahrung selbst (be)greifen lassen. Zwar wurde aus dem Allesesser nach und nach phasenweise ein wählerischer Esser, doch das Essen bleibt ein unbeschwertes Thema. Braucht es denn wirklich eine Trickkiste voller Überrumpelungsmanöver, um ein Baby zu ernähren? 

Bei der Recherche für die Beikostthemen stieß ich auf zahlreiche Videos und Berichte über Babys, die gefüttert werden. Fast alle zeigen Babys, die gefüttert werden und die es offensichtlich nicht mögen. Glaubt man den Kommentare bringen sie die Zuschauer zum Lachen. Sie alle suggerieren, dass ein Baby gefüttert werden muss. Es gibt sogar unzählige Artikel, die explizit vor Fingerfood für Babys warnen.

Bei der Beikost geht es schon lange nicht mehr nur um den richtigen Zeitpunkt der Einführung und um die Auswahl der Speisen. Es geht auch um das Wie. BLW oder Brei? Füttern oder entdecken lassen? Mit oder ohne Tricks füttern?  

Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Essen

Stell Dir vor, Deine Freundin zeigt Dir ihre neuen Schuhe. Als Du gerade begeistert “WOW!” rufen willst, schiebt Dir eine andere Freundin einen Löffel mit püriertem Allerlei in den Mund. Und dann schauen Dich beide freudestrahlend an und erzählen Dir, wie lecker das ist, was da gerade Deine Zunge kräftig verwirrt.

Doch Du vertraust Deinen Freunden ja. Und so erholst Du Dich von dem Schreck und beginnst, den Geschmack einzuordnen. Dann bietet man Dir einen weiteren Löffel davon an. Er kommt wie ein lustiges Flugzeug in Dein Gesicht geflogen. Als Du den Löffel nicht willst und den Kopf wegdrehst, piekst er Dir immer wieder ins Gesicht, bis er irgendwann den Weg in Deinen Mund findet. Wieder rufen alle um Dich herum begeistert „Ahhhh! Sooooo lecker!“.

Du kommst nicht weg von Deinem Stuhl. Dein Winden und Wenden kann Dich nicht vor dem Löffel retten, und so beginnst Du zu weinen. Doch sogleich macht man Dir ein schlechtes Gewissen. Schimpft ein wenig mit Dir und schiebt Dir immer schneller das Essen in den Mund.

Irgendwann ist der Teller leer und Deine Freundinnen loben Dich, dass Du brav gegessen hast. Deine Abwehrreaktionen haben sie schon längstens auf allen Social Media Kanälen geteilt und alle finden es zum Schreien komisch.

This is what BETRAYAL looks like! 😂 #diplymix

Posted by Oh My God Facts by Diply on Montag, 16. Januar 2017
Irgendwie nicht lustig, die Vorstellung. Oder? Oder um es auf den Punkt zu bringen: So etwas geht gar nicht.

Kinder unterscheiden sich hier nicht von Erwachsenen. Der Mund ist bei Beiden eine hochsensible Körperöffnung und es sollte gar nicht, oder nur mit viel Bedacht auf ihn eingewirkt werden. Der Löffel, der einfach in den Mund geschoben wird, ist ein Eindringling. Egal, ob er als Flugzeug oder gut getarnt unter einem Schokoriegel kommt. Wir müssen unsere Kinder hier genauso ernst nehmen, wie uns selbst.

Wenn gefüttert wird, ist Geduld tatsächlich der Schlüssel. Der Kopf des Kindes geht zum Löffel, nicht der Löffel zum Kind. Der Löffel wird nicht in das Kind hinein befördert, sondern das Kind nimmt sich, was und die Menge, die es braucht. Wichtig ist, dass auch das Ende der Mahlzeit vom Kind bestimmt werden kann.

BLW, das Baby Led Weaning, ist die natürliche Art, das Essen anzubieten und dem Kind eine selbstbestimmte Erfahrung zu ermöglichen.

Wie die Eltern, so die Kinder

Was denkst Du? Können Kinder, denen ein gutes und ausreichendes Angebot bereitgestellt wird, wirklich selber wissen welche Menge sie wovon brauchen?

Ob Du hier ja oder nein fühlst, hängt in erster Linie davon ab, welche Erfahrungen Du mit Nahrung gemacht hast? Was bedeutet sie Dir? Ist Nahrung eine nährende Kraft? Oder Luxus? Oder Belohnung? Oder ein notwendiges Mittel zum Überleben? Bist Du auch dauerhaft gesättigt?

In einer Gesellschaft, in der Essen jederzeit zur Verfügung steht, ist es gar nicht leicht Lebensmittel von Nahrung zu unterscheiden. „Etwas Süßes für die Seele“ ist in vielen von uns verankert – und verknüpft gleich mal das Essen mit Emotionen. Erkennst Du Dich hier wieder? Es ist hochinteressant, diese Muster zu reflektieren. Unsere eigenen Werte sind maßgeblich dafür, wie frei oder kontrolliert unsere Kinder die Beikost erleben. Natürlich geht es nicht darum, Kinder hungern zu lassen, sondern um die Erkenntnis, dass Essen Nahrung ist.

Das Essen sollte von Anfang an als nährende Quelle für den Körper angenommen werden. Das Sättigungsgefühl bekannt bleiben. Der Körper weiß immer, was er braucht. Auch der Deines Kindes.

Wo bleibt die Leichtigkeit? Hier.

Erzieht das „Löffelchen für Oma“ wirklich den Sinn für Ernährung ab? Nein, das fortwährende Übergehen des Kindes aber schon.

Bleibt in der Beziehung zu Eurem Kind, begleitet es achtsam und genießt die Beikostzeit am Familientisch.

Wir wünschen Euch viel Vertrauen und viele spannende Beikostmomente!
Alles Liebe, Deine Stillakademie
In Liebe gestillt.
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