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Stillen im Flugzeug

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Immer wieder werden wir auf das Thema “Fliegen mit Säugling und Kleinkind” angesprochen. Dabei spielen Fragen zur generellen Organisation und zur Sicherheit beim Fliegen eine große Rolle. Jedoch auch Bedenken, ob das Stillen in der Kabine erlaubt ist.

Generelle Informationen zum Fliegen mit Kindern

Das Reisen mit Kindern bedarf ein wenig mehr Vorbereitung. Es gibt einige Dinge zu beachten, die jedoch in aller Regel sehr transparent auf den Websites der Airlines aufgeführt sind. Grundsätzlich darf jeder Erwachsene maximal ein Kleinkind unter 2 Jahren befördern. Möchtet Ihr also mit Zwillingen reisen, so geht dies nur mit 2 erwachsenen Begleitpersonen. Der Grund ist, dass je Reihe nur eine weitere Sauerstoffmaske vorhanden ist, und 2 Babys bei einem Erwachsenen im Notfall nicht versorgt werden könnten.

Welche Kosten für Babys und Kleinkinder anfallen kann je nach Airline variieren. Kinder unter 2 Jahren haben keinen Sitzplatzanspruch, allerdings könnt Ihr selbstverständlich einen Sitz buchen. Ab dem Alter von 2 Jahren muss das Kind dann auf einen eigenen Sitzplatz. Der so genannte Kindertarif wird fällig.

Die Sicherung von Kleinkindern unter 2 Jahren ist in der VERORDNUNG (EG) Nr. 1899/2006 des europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 3922/91 des Rates zur Harmonisierung der technischen Vorschriften und der Verwaltungsverfahren in der Zivilluftfahrt EU-Verordnung OPS 1.730 a) 3. vom 12. Dezember 2006 geregelt. Dort heißt es in Anhang 3, Abschnitt K “Instrumente und Ausrüstung” bei OPS 1730 a) 3. “Sitze, Anschnallgurte und Rückhaltesysteme für Kinder”, dass für Kinder unter 2 Jahren ein Schlaufengurt oder ein anderes Rückhaltesystem vorgesehen ist. Das bedeutet, dass Kinder auf dem Schoß eines Erwachsenen sitzend mit einem Schlaufengurt gesichert werden. Der Schlaufengurt ist gängige Praxis in Europa. Diese Methode gilt jedoch bei Turbulenzen und Notlandungen als sehr unsicher und ist zudem unkomfortabel. Sie hat zwar den Vorteil, dass das Kind nah bei der Mutter ist und dort auch gestillt werden kann, jedoch sind die Sicherheitsbedenken nicht von der Hand zu weisen.

Nicht nur der TÜV Rheinland empfiehlt aus diesem Grunde dringend die Buchung eines eigenen Sitzplatzes für Kinder unter 2 Jahren. Dies ist mit einem geeigneten Rückhaltesystem zulässig. Ob Euer Autokindersitz die jeweiligen Anforderungen der Fluggesellschaft erfüllt, solltet Ihr mit dieser abklären. Für Kinder ab etwa 18 Monaten empfiehlt sich das bewährte CARES Hosenträger-Gurtsystem.

Die Sicherheit auf Flugreisen ist ein sehr umfangreiches Thema. Ebenfalls entscheidend ist jedoch die Frage nach der Versorgung des Babys. Diesem Punkt möchte ich mich in diesem Beitrag widmen und über Legalität und praktische Umsetzbarkeit des Stillens in Flugzeugen aufklären.

Mit Babys und Kindern im Flugzeug

Das Fliegen ist für gesunde Säuglinge und Kinder selten ein Problem. Bei Zweifeln sprich mit Eurem Kinderarzt. Dennoch kann die Reise für kleine Kinder anstrengend sein. Die Enge, die Aufregung, die Luft und die Druckverhältnisse können ihnen zu schaffen machen. Auch kann es – je nach Alter – unangenehm sein so lange zu sitzen.

Das Stillen ist hier eine willkommene Möglichkeit, Dein Kind leichter in den Schlaf zu begleiten oder zur Ruhe kommen zu lassen. Auch Ohrendruck wird durch das Stillen sanft gemildert. Du solltest Deinem Kind auf Kurzstrecken mindestens bei Start und Landung die Brust anbieten. Sollte es den Flug verschlafen, brauchst Du es nicht zum Stillen zu wecken. Wegen der trockenen Luft ist jedoch grundsätzlich auf kürzere Stillabstände zu achten. Kinder, die schon Beikost essen können zusätzlich stilles Wasser trinken.

Deine Rechte, Deine Pflichten, Deine Möglichkeiten

Einige Familien erkundigen sich vor dem Flug bei der Airline über die Handhabung des Stillens an Board. Oft erhalten sie dabei keine oder nur ausweichende Antworten. In aller Regel ist das Stillen an Board erlaubt. Selbst bei amerikanischen Airlines, die immer wieder wegen ihres Vorgehens gegen stillende Mütter in die Schlagzeilen geraten, gibt es erstmal kein Stillverbot.

Jedoch kann es in der Kabine selbst tatsächlich zu Konflikten mit den Flugbegleiter/Innen und / oder anderen Passagieren kommen, sollte sich jemand durch das Stillen gestört fühlen. Es liegt im Ermessen des Kabinenpersonals, ob einer Mutter das Stillen untersagt oder sie gebeten wird, sich zum Stillen in die Waschräume zurück zu ziehen. In meiner langjährigen Erfahrung und Beratungspraxis ist mir dieser Fall noch nie begegnet. Die überlieferten Geschichten besagen, dass dies insbesondere dann geschehen kann, wenn sich andere Passagiere belästigt fühlen oder das Stillen sehr offensiv und unter Offenlegung der Brust erfolgt. Unbedingt solltet Ihr dann nach einer leeren Reihe fragen oder Euch in den Bereich der Bordküche zurückziehen. Einige Länder sind dem öffentlichen Stillen gegenüber weniger aufgeschlossen, dies gilt es bei der Auswahl des Reiseziels oder der Airline zu beachten.

In aller Regel wird eine stillende Mutter nicht weiter beachtet. Ein unruhiges Baby oder quengelndes Kind erregt deutlich mehr Aufmerksamkeit. Und oft erleben stillende Mütter besondere Achtsamkeit, ihnen werden Kissen oder eine Decke angeboten und Getränke gereicht.

Bei Langstreckenflügen kann die Buchung der Business Class zu einem deutlich entspannterem Flugerlebnis führen. Die Annehmlichkeiten für Familien sind bemerkenswert und es steht deutlich mehr Platz zur Verfügung. Doch auch in der Economy Class müssen Eltern in aller Regel keine Probleme befürchten.

Eine gewisse Rücksichtnahme ist angebracht. So sollte das weinende Kind umgehend beruhigt werden. Beim Stillen sollten die Beine des Kindes nicht in den Sitzbereich der Nachbarn hineingesteckt werden. Und auch das Anlegen des Kindes sollte so erfolgen, dass nicht die gesamte Brust freigelegt wird. Ein Halstuch oder ein Schal über dem Dekolletee der Mutter kann Blicke dezent abwehren.

Was solltest Du mitnehmen? 

In das Bordgepäck gehören Kleidung, Nahrung und Getränke, Spielsachen und bei Bedarf Wickelsachen.

  • Kleidung zum Wechseln sollte für jedes Familienmitglied griffbereit sein. Schnell ist mal etwas verschüttet oder die Wechselkleidung hilft, sich nach einem langen Flug frisch zu fühlen. Als Kleidung hat sich der Zwiebellook bewährt. Mehrere Schichten helfen, sich warm zu halten und bei Bedarf Kleidung auszuziehen. Eine leichte Babydecke ist angenehmer für Dein Kind als die Decken der Airlines, da diese oft stark nach Brandschutzchemikalien riechen. Dadurch könnten die sensiblen Atemwege Eures Babys gereizt werden.
  • Für ältere Kinder gehören ein paar Fruchtriegel oder Kekse und etwas Obst ins Handgepäck. Außerdem Getränke. Denn die Zeit bis zum Bordservice kann lang werden. Frisches Obst und Nüsse dürfen allerdings meist nicht im Zielland eingeführt werden. Doch auch, wenn Ihr Babygläschen mitnehmen möchtet ist dies möglich, da Babynahrung nicht unter die strengen Bestimmungen für das Handgepäck fällt, wenn Ihr mit Eurem Baby reist. Sobald Euer Kind einen eigenen Sitzplatz hat, bekommt es – je nach Airline – auch ein Kindermenü. Dieses ist oft sehr einseitig und besteht aus Chickenwings, Spaghetti Bolognese oder Würstchen. Sprecht bei Bedarf im Vorfeld mit der Airline.
  • Ausreichend Windeln, Feuchttücher und ähnliches sollten ebenfalls mitgeführt werden. Zwar haben viele Airlines eine Babyausstattung mit an Bord, es ist jedoch nicht gewährleistet, dass Windeln in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
  • Spielzeug wie eine leise Rassel oder für ältere Kinder kleine Pixibücher, Knete und Kuscheltier dürfen auch nicht fehlen, um Eurem Kind das Warten und Reisen zu erleichtern.
  • Buggys oder Kinderwägen dürfen in der Regel bis zum Einsteigen mitgeführt werden und werden Euch direkt nach der Landung wieder übergeben. Bitte klärt dies mit der Airline ab. Mit einer Tragehilfe seid Ihr sehr flexibel und habt beim Ein- und Aussteigen beide Hände frei.

Wo sitzt man am besten? 

Beim Fliegen mit Babys lohnt es sich, nach Plätzen in der ersten Reihe zu fragen. Dort lassen sich die Babybettchen der Airline befestigen – falls Euer Kind darin zur Ruhe kommt. Klärt im Vorfeld die Maße und das zulässige Maximalgewicht. Bedenke jedoch, dass in diesem Bereich des  Flugzeugs überwiegend Familien sitzen und es unruhig sein kann. Wenn Euer Kind sich leicht ablenken lässt, oder ein Kleinkind mitreist, das gerne das Bordprogramm auf dem Monitor verfolgen möchte, kann dieser Platz suboptimal sein.

Auch empfehlenswert ist die Vorauswahl von Sitzplätzen mit viel Beinfreiheit und kurzen Wegen zu den Waschräumen. Gang- oder Mittelplätze sind Fensterplätzen vorzuziehen, da hier die geringste Belastung durch UV-Strahlen besteht. Wichtig zu wissen ist, dass Flugzeugfenster nicht die gefährliche UVA-Strahlung absorbieren.

Tipps und Tricks für Euren Flug

Fast jede Airline bietet für Familien Sonderleistungen an. Diese sind so vielfältig, dass sich ein Anruf bei der Airline lohnt. Frag genau nach, welche Dienstleistungen zu welchen Konditionen angeboten werden und ob eine Reservierung erforderlich ist. Oft gehören spezielle Kindermenüs zum Leistungsangebot dazu. Eine kurze Nachfrage einige Tage vor Abflug erhöht die Chancen, dass alle Buchungen planmäßig ausgeführt werden.

Ihr könnt bei Transitflügen auch nach einer Transportmöglichkeit zum nächsten Gate bitten. Manche Flughäfen sind darauf eingestellt.

Wenn es Euch möglich ist und Ihr den Tages- und Nachtrhythmus Eures Kindes einschätzen könnt, lässt sich ein Flug wählen, der den Rhythmus Eures Babys nicht allzu sehr durcheinanderbringt.

Manche Familien wählen für Langstreckenflüge eher einen Nachtflug, andere empfinden den Tagflug als angenehmer. Non-Stop-Flüge, also Flüge ohne Zwischenstopps und ohne Umsteigen sind für Kinder einerseits oft entspannter, weil sie mehr schlafen können, andererseits können Zwischenstopps auch eine gute Abwechslung sein und für Bewegung sorgen. Gerade Ferienflieger starten oft zu sehr unangenehmen Zeiten. Mal sehr früh morgens, mal sehr spät. Macht es Euch so leicht wie möglich, packt alles vor, organisiert den Transfer und zieht Eurem Kind leichte und bequeme Kleidung an.

Doch macht Euch im Vorfeld nicht zu viele Gedanken - das Stillen an Board ist in aller Regel völlig unproblematisch möglich und kann die Reise deutlich angenehmer gestalten.

Plant Euren Flug ein wenig, zieht Euch im Mehrlagenprinzip an, so dass Du nicht die ganze Brust entblößen braucht, steigt als erste ein, bringt nicht zu viele Sachen mit an Board, die erst mühsam verstaut werden müssen und richtet es Euch am besten frühzeitig ein. Eine schnell anzulegende Tragehilfe zur Hand zu haben ist ratsam, so kann Dein Kind schnell und bequem beim Aussteigen getragen werden, sollte es eingeschlafen sein.

Und bleibt gelassen. Erzählt Eurem Baby von dem Flug, bereitet Euer Kind mit Büchern vor. Denn so vermittelt Ihr ihm die nötige Sicherheit.

Genießt Euren Flug und Euer Abenteuer!
Alles Liebe, Deine Stillakademie
In Liebe gestillt.
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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Ich bin vor vielen vielen Jahren (fast 14!) mit meiner Tochter nach Mallorca geflogen, als sie 11 Wochen alt war. Das hat super geklappt, ich habe sie beim Start gestillt, die Landung hat sie verpennt. Im Flugzeug hatte ich so ein Babykettchen, das an der Wand eingehängt wurde, da durfte sie während des Fluges drin liegen, zum Start und zur Landung oder falls es Turbulenzen gegeben hätte musste ich sie auf den Arm nehmen. Dank dieses Bettines hatte ich auch etwas mehr Platz im Fußraum für die Wickeltasche, die ich im Flugzeug (der Flug dauert ja nicht lange) nicht gebraucht habe.
    Jetzt sitzt sie neben mir im Flugzeug, kaut Kaugummi und mach Selfies über den Wolken 😉
    Viele Grüße,
    Martina

    Antworten
    • Christina Huegelmann
      23. April 2017 18:47

      Liebe Martina,
      hach, ich habe sehr gelacht über das Heranwachsen Deiner Tochter im Schnelldurchlauf. Sie werden so schnell groß. Ich danke Dir für Deine Erfahrung! Die Bassinets sind in der Tat eine große Hilfe und die meisten Airlines auch sehr kundenfreundlich im Umgang mit Familien. Genießt Eure Reisen. Alles Liebe!

      Antworten

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